Ernst & Young-Gutachten sagt: Die neue Wirkstoff-Sau von MOLOGEN kommt (vielleicht) zu spät

Nach der dramatischen Pleite mit dem Wirkstoff Lefitolimod treiben die Börsenhallodris von MOLOGEN jetzt die nächste Sau durchs Dorf. Das Wundermittel heißt EnanDIM(R). Wahrscheinlich ist es längst veraltet.

Das nennt man Vorwärts-Verteidigung. Kurze Zeit nachdem der Aktienversenker meldete, dass er ein geheimes Gutachten zur Lage von MOLOGEN (inklusive Handlungsempfehlungen) zugespielt bekam, verkündete MOLOGEN-Chef Stefan Manth: Hurra, wir haben eine neue Strategie!

Nun ist ja jedem Pups aus der Lügenfabrik MOLOGEN zu misstrauen. Insbesondere den Sprechblasen von Manth, der schon seit rund 100 Tagen MOLOGEN-Boss ist, jedoch laut Auskunft einiger wutentbrannter Aktionäre mit kurzen Wegen zum Amtsgericht Charlottenburg noch immer nicht als vertretungsberechtigte Person im Handelsregister eingetragen wurde. Warum eigentlich nicht?

Manth fabuliert in seiner jüngsten Adhoc für den Kapitalmarkt:

Kern des Strategieprogramms wird eine Fokussierung auf Kombinationsansätze für Lefitolimod sowie für die Nachfolgetechnologie EnanDIM(R) in den Therapiegebieten Krebs und HIV sein… Die Gesellschaft wird ihre künftigen Anstrengungen auf die Entwicklung eines Nachfolgeproduktkandidaten aus der EnanDIM(R)-Familie im Bereich Onkologie konzentrieren und plant, diesen in 2020 in die klinische Entwicklung zu bringen.

EnanDIM(R) heißt also die neue Sau, die MOLOGEN durchs Dorf treibt, um Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Was ist das genau für Zeug? Von MOLOGEN erfährt man darüber nicht viel. Außer, dass EnanDIM(R) ein Nachfolgemolekül des gefloppten Wirkstoffs Lefitolimod sei, was nicht wirklich vertrauenserweckend wirkt. EnanDIM(R) ist eine Familie synthetischer DNA-basierter TLR9-Agonisten, sagt MOLOGEN. Aha, damit kann man etwas mehr anfangen. TLR heißt Toll-like-Rezeptor. Wie man auf diesen Namen kam, ist eine lustige Geschichte. Als zwei deutsche Max-Planck-Wissenschaftler gemeinsam am Elektronenmikroskop das Toll-Gen der Fruchtfliege entdeckten, riefen beide: „Toll!“ Später stellte sich raus, dass das Toll-Gen für die Infektabwehr ganz toll ist. Das Ärzteblatt schrieb:

TLR gehören zu einer Genfamilie, von der beim Menschen bislang zehn verschiedene Varianten identifiziert worden sind (TLR 1 bis 10). Die TLR haben eine zentrale Bedeutung für die angeborene Immunabwehr. TLR sind ideale Zielstrukturen für künstliche Agonisten, die Immunreaktionen gegen Tumoren oder Krankheitserreger verstärken sollen.

Zum ganzen Artikel im Ärzteblatt geht’s → hier. Der Beitrag stammt aus dem Jahr 2007. TLR ist also nicht gerade der letzte Brüller. Eine Menge forschender Firmen setzten seit Mitte der 1990er-Jahre auf das Thema und gaben wieder auf. Andere hielten durch. Da muss MOLOGEN ganz schön aufholen, meinen auch die Ernst & Young-Leute und schreiben in ihrem Gutachten:

MOLOGEN lags behind vis-à-vis its competitors in the immunoncology combination area.

Rund 1.000 Immunonkologie-Studien werden derzeit weltweit durchgezogen, sagen die Gutachter. Zum Beispiel bei Merck, KGaA und Pfizer. Egal, MOLOGEN braucht ein neues Krebsmärchen, um Geld zu sammeln. Angeblich knapp 16 Mio. Euro will Manth bis zur angestrebte Marktreife von EnanDIM(R) verbrauchen, berichtet EY. Zitat:

According to management, the proof-of-concept for EnanDIM(R) follows a cost- and time-efficient study design. Management has provided a detailed study plan with a monthly distribution of the costs. The clinical Phase I is planned for FY20F and expected to cost €2.7m, the exploratory Phase IIa study in FY21F €3.0m and the subsequent Phase II/III study €10.1m.

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