Geheimes Gutachten von Ernst & Young empfiehlt MOLOGEN Personalabbau und Delisting

Nach dem Flop der Medikamentenstudie IMPALA sucht MOLOGEN den Rettungsanker. Ein geheimes Gutachten von Ernst & Young empfiehlt Delisting und die Entlassung von Mitarbeitern.

Der Aktienversenker erhielt Post und staunte nicht schlecht. In dem Päckchen steckte nämlich ein vertrauliches Gutachten der Berater von Ernst und Young für die MOLOGEN AG. Der Auftrag: Die aktuelle Situation analysieren und Handlungsempfehlungen für zwei verschiedene Szenarien zu entwickeln. Szenario eins: IMPALA floppt oder Szenario zwei: IMPALA floppt nicht.

Das Gutachten trägt das Datum 22.7.2019, wurde also erstellt, bevor das Scheitern der groß angelegten Medikamentenstudie IMPALA zur Erprobung des Wirkstoffs Lefitolimod an Darmkrebserkrankten die Runde machte. Auftraggeber sind die beiden MOLOGEN-Chefs Stefan Manth und Matthias Baumann.

Auf über 70 Seiten offenbart das Papier (erstellt von den EY-Leuten → Bernd Richter und → Cornelius Knecht) einen Blick ins Innere von MOLOGEN und enthält Stoff für Dutzende Artikel beim Aktienversenker. Puh!

Die Aufarbeitung wird Zeit und Arbeit kosten und soll deshalb nur häppchenweise erfolgen. Fangen wir mit einem groben Überblick und ein paar Details an.

In einem eigenen Kapitel widmen sich die beiden Autoren der Unternehmenskrise von MOLOGEN und identifizieren die Hauptursachen.

Ganz zuoberst als Ursache Nummer eins für das Elend bei MOLOGEN steht da:

Instability at the top of the organization (Executive Board and Supervisory Board) over the past decade.

Das verwundert kaum. Das Chaos bei MOLOGEN, ausgelöst von Oliver Krautscheid (seit Sommer 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrats), bewirkte ein Kommen und Gehen in der Führungsebene. Man kriegt die Namen der Abservierten und ihrer Ersatzspieler gar nicht mehr zusammen.

Das EY-Gutachten ist voller Tabellen, die aufregende Details verraten. Zum Beispiel, dass man bei MOLOGEN bis Ende Dezember 2019 mit monatlichen Kosten von weit über 400.000 Euro für medizinische Studien plant, obwohl bereits deutlich wurde, dass IMPALA ein Reinfall ist. Alles Geld für die Katz!

Wenn hier nicht gespart werden kann, dann eben beim Personal. MOLOGEN plant offenbar den Abbau von Arbeitsplätzen und damit einhergehenden Personalkosten, verrät eine weitere Tabelle. Von aktuell 318.000 Euro (August 2019) auf 277.000 Euro (Dezember 2019). Und wo sollen tiefer gehende Einschnitte stattfinden? Wenige Seiten dahinter steht im „Integrated Business Plan“ die Antwort. Dort empfehlen die EY-Männer für das Jahr 2020 die Auflösung von IR (Kommunikation), HR (Personalabteilung), GMP (Qualitätssicherung) und den Abbau weiterer Stellen in Buchhaltung, Controlling, Rechtsabteilung, Verwaltung usw.

Das passt gut zu einer anderen Empfehlung, welche die Herren Richter und Knecht für den Fall des IMPALA-Studienflops abgaben: Delisting! Wortwörtlich steht da folgendes Szenario:

MOLOGEN is operated as a private company. Consequently, personnel dedicated to the listing and associated costs are no longer included.

Noch ein kurioses Detail zur Finanzierung von MOLOGEN möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten. In der Liquiditätsprognose (Short-term liquidity forecast) sind 12 Mio. Euro durch eine Kapitalmaßnahme eingeplant. Die MOLOGEN-HV am 29.8.2019 verspricht also aufregend zu werden. Wenn sie nicht schon wieder abgesagt wird.

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