Urteil des Bundesgerichtshofs bestätigt: Oliver Krautscheids Wahl in den Aufsichtsrat der Mologen AG im August 2014 war Betrug

Das BGH-Urteil über Oliver Krautscheids Einzug in den Mologen-Aufsichtsrat im Sommer 2014 ist da. Fazit: Die Wahl verstieß gegen das Gesetz.

Das Warten hat ein Ende. Vor kurzem veröffentlichte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe sein Urteil (II ZR 78/17) über die Rechtmäßigkeit der Wahl des Börsenhallodris Oliver Krautscheid in den Aufsichtsrat der Mologen AG. Wer damals die Ereignisse verfolgte und heute das Urteil liest, ist wenig überrascht. Es war genau das, wonach es aussah: Betrug.

Hier geht’s zum → Urteil.

Für alle, die sich die Lektüre von 27 Seiten Juristensprech sparen wollen, fasse ich in kurzen Worten zusammen:

Oliver Krautscheid schwindelte sich mit unrechtmäßig nachgemeldeten Stimmen im zweiten Wahlgang in den Mologen-Aufsichtsrat, nachdem der erste Wahlgang durch Versammlungsleiter Stefan Ten Doornkaat für ungültig erklärt worden war. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs ist bis heute unbekannt.

Zur Orientierung: Als Gegenkandidat zu Krautscheid war Ex-Versicherungsmanager Fauter dem Vernehmen nach von Kapitalmarkt-Berater, Mologen-Aktionär und Krautscheid-Hasser Gerhard Greif (→ Adler Capital Partners) zur Wahl in den AR vorgeschlagen worden.

Wichtigster Satz im BGH-Urteil:

Der Wahlbeschluss ist nach § 251 Abs. 1 Satz 1 AktG wegen eines Gesetzesverstoßes anfechtbar. Die Zulassung von Aktionären nach Ablauf der Anmelde- und Nachweisfrist zur Stimmrechtsausübung verstieß jedenfalls gegen das Gleichbehandlungsgebot (§ 53a AktG).

Ich berichtete damals im Rahmen einer Artikelserie ausführlich, wie sich die Verantwortlichen des Betrugs vor den Augen aller Anwesenden die Bälle zuspielten: Aufsichtsrat-Kandidat Oliver Krautscheid, Versammlungsleiter Stefan Ten Doornkaat (Rechtsanwalt und Joker in mehreren AGs, die unter der Kontrolle von Thorsten Wagner stehen) und Berater → Christoph Seibt (Anwalt bei Freshfields und Konstrukteur des → Mologen-Aktionärsbetrugs via Wandelanleihe).

Hier eine kleine Auswahl von Artikeln über den Wahlbetrug damals:

Dass es bei dieser HV nicht mit rechten Dingen zuging, war allen Anwesenden völlig klar. Es bedurfte jedoch eines klagefreudigen Aktionärs, der den Streit durch alle Instanzen schleppte, damit dieser Einsicht Geltung zukommt. Allerdings ohne weitere Konsequenzen, wie ich vermute. Ein Jahr nach jener denkwürdigen Versammlung wurde Krautscheid erneut in den Mologen-AR gewählt. Diesmal ohne augenscheinlichen Betrug.

Mit Krautscheids Wahl in den Aufsichtsrat 2014 änderte sich das Außenbild von Mologen radikal. Das, was zuvor jahrelang diskret abgelaufen war, wurde durch die Persönlichkeitsstruktur Krautscheids zum für alle sichtbaren Schmierenschauspiel.

Seit dem Börsengang im Jahr 1998 hatten Mologen-Gründer Burghardt Wittig und der langjährige Vorstandsvorsitzende Matthias Schroff den Anlegern das Blaue vom Himmel versprochen. Dabei gelangte innerhalb von 14 Jahren kein einziger Wirkstoff zur Zulassung. Trotzdem entwickelte sich der Börsenkurs der Mologen-Aktie mehr oder weniger zufriedenstellend. Viele verdienten Geld und die Stimmung war gut. Die Hoffnung auf ein Krebsmittel beflügelte die Phantasien der Spekulanten.

Dann kam Krautscheid und mit ihm ein spektakulärer Kursverfall um 95%. Es folgten Streitereien ohne Ende.

Menschen, die einmal mit Krautscheid zusammenarbeiteten, beschreiben ihn als rechthaberisch, autoritär und von geringem unternehmerischen Sachverstand. Umso stärker soll sein Kontrollbedürfnis ausgeprägt sein.

Wer Krautscheid vor Gericht erlebt (habe ich mehrmals), kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Der Nicht-Jurist fällt seinem eigenen Anwalt ins Wort und erklärt den Richtern ihren Job. Ob das Sympathien erzeugt, wenn man sie dringend braucht, ist fraglich.

Mit so einem lässt sich schwer die menschenfreundliche Mission einer Krebsforschungsfirma abbilden. Früher einmal glänzte Mologen. Und das trotz ausbleibender Forschungserfolge. Heute ist das Unternehmen ein Image-Wrack. Es ist unschwer zu erraten, wem das zu verdanken ist.

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