Während alle um Oliver Krautscheid streiten und abkassieren, sterben Patienten. Dank Mologen-Gründer Burghardt Wittig manche sogar schneller

Zwischen 2014 und 2016 ließ die Berliner Krebsforschungsfirma Mologen in vier europäischen Krankenhäusern den Wirkstoff Lefitolimod an schwerkranken Lungenkrebspatienten testen. Das Ergebnis war verheerend. 

Was man angesichts der Betrügereien und Lügereien im Vorstand und Aufsichtsrat von Mologen übersieht, ist die eigentliche Mission der Krebsforschungsfirma. Es geht um Heilung.

Ja, die Schlammschlacht zwischen Hauptversammlungsschwindler und Wandelanleihenbetrüger Oliver Krautscheid und seinem Widersacher Wilhelm Zours (Balaton AG) verstellt den Blick aufs Wesentliche. Alles dreht sich um den Börsenkurs. Nicht um Medizin.

Aber auch hier versagt Mologen spektakulär. In der über 20 Jahre alten Geschichte der Firma hat es noch kein einziger Wirkstoff zur Zulassungsreife gebracht. Der Börsengang von Mologen machte Mologen-Gründer Burghardt Wittig zum Millionär. Es war das erste und letzte Mal, dass Mologen Stoff für eine Erfolgsstory lieferte.

In der Wissenschaft ist der Professor längst unten durch. Sein Forschungsansatz gilt als veraltet. Mehr als einmal nahm er den Mund zu voll und versprach Erfolge, die nie eintrafen. Schlimmer noch: Krebskranke, die den Wittig-Wirkstoff Lefitolimod verabreicht bekamen, starben schneller.

Ja, während der Lungenkrebs-Studie IMPULSE unter Aufsicht des Onkologen → Michael Thomas (Chefarzt in der Thorax Klinik Heidelberg) starben Patienten, die den Mologen-Wirkstoff Lefitolimod einnahmen, schneller als die Kranken in der Vergleichsgruppe.

Zugleich kassierte Mologen-Vorständin Mariola Söhngen eine spektakuläre → Erfolgsprämie (für was genau wurde nie veröffentlicht) und im Aufsichtsrat kreierten Oliver Krautscheid, Stefan M. Mandt und Susanne Klimek einen Sitzungsmarathon nach dem anderen und sackten dafür hohe Gebühren ein.

Mologen, das ist mehr Geldautomat als Krebsforschungsfirma. Unfähige Vorstände und Aufsichtsräte, ihre Berater, → Rechtsanwälte und die Krankenhauswirtschaft kassieren ab. Die erfolglose Mologen-Forschung ist eine Goldgrube für alle Beteiligten. Über 100 europäische Krankenhäuser und Therapiezentren nehmen derzeit an der Studie IMPALA teil und probieren Lefitolimod an ihren Darmkrebspatienten aus. Sie dürften dabei prächtig verdienen. Die offizielle Liste jener Kliniken, in denen der IMPALA-Menschenversuch stattfindet, steht → hier.

Üblicherweise rekrutieren Kliniken Patienten für solche Tests. 12.000 Euro pro Kopf bringt das einem Krankenhaus im Durchschnitt, verriet mit ein Klinik-Berater. Folgende Häuser stellten zwischen 2014 und 2016 Patienten für den Killer-Test IMPULSE zur Verfügung und verdienten wohl gut:

  • Medizinische Universität Innsbruck
  • Universitair Ziekenhuis Gent
  • Thoraxklinik Heidelberg
  • Hospital Universitario Fundación Jiménez Díaz, Madrid

Im September 2017 zeigte Mologen auf einem Onkologen-Kongress in Madrid eine Präsentation mit den Ergebnissen von IMPULSE. 102 Probanden, die an kleinzelligem Lungenkrebs litten, nahmen teil.

Es war eine handverlesene Gemeinschaft. Zur Teilnahme zugelassen waren nur Patienten, die ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllten:

  • Fortgeschrittenes Krankheitsstadium
  • Tumore haben auf Standard-Erstlinientherapie mit Chemotherapeutika angesprochen
  • Weitgehend beschwerdefrei bis eingeschränkt alltagsfähig (ECOG null bis eins)
  • Keine Begleitsymptome (paraneoplastisches Syndrom)
  • Keine Immunerkrankungen in der Vergangenheit
  • Keine Verabreichung von Steroiden im Verlauf der Krebsbehandlung

Fazit: Das primäre Studienziel, nämlich der Nachweis, dass den Kranken durch ein Mologen-Präparat zu einem längeren Leben verholfen werden kann, wurde nicht erreicht. Ganz im Gegenteil.

Die veröffentlichten Daten belegen, dass ein großer Teil der Lefitolimod-Probanden kürzer überlebten als die Menschen in der Kontrollgruppe, die kein Lefitolimod bekamen.

Für alle sichtbar starben die Lefitolimod-Patienten teilweise rund ein halbes Jahr früher als jene, denen kein Wirkstoff aus dem Hause Mologen verabreicht wurde. „Kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Studienarmen“, erläutert ein Text der Präsentation.

Ob jene Lefitolimod-Patienten, die aktuell an einer Mologen-Studie teilnehmen, das auch so sehen…?

Inzwischen entfernte Mologen diese Präsentation von seiner Website. Jedenfalls kann ich sie nicht mehr unter dem ursprünglichen Link finden.

Im Dezember 2017 berichtete ich zum ersten Mal über das Desaster und lieferte die Beweise. Und zwar → hier. Meine Nachfragen bei Mologen wurden ausweichend beantwortet. Das war zu erwarten. Natürlich klopfte ich auch beim zuständigen Paul-Ehrlich-Institut an (PEI = Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel) und stellte Fragen. Die Antwort kam Mitte 2018: “Dem PEI liegen keine Informationen hinsichtlich vermehrter Todesfälle in der Impulse-Studie vor, die Handlungsbedarf bei dieser oder der Impact-Studie erfordert hätten.” Aha. Es gibt Kritiker, die werfen dem PEI eine übertrieben industriefreundliche Zulassungspolitik vor. Ich bin zu wenig Fachmann, um das zu beurteilen, bleibe aber an diesem alarmierenden Thema dran. Versprochen.

Übrigens: Prof. Thomas, Verantwortlicher Prüfarzt der IMPULSE-Studie,  gehört zu den meistzitierten Onkolgen Deutschlands und wird von Firmen wie Boehringer, Lilly, Novartis, Pfizer und Roche als Miet-Sprecher sehr geschätzt.

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