Verdächtige Informationslücke im Börsenprospekt: Mologen-Management faselt von “Übertragungsfehler” und veröffentlicht Prospekt-Nachtrag

Dieser Artikel erschien im April 2015. Kurz vor Ostern deckte der Aktienverseker einen verdächtigen Fehler im Börsenprospekt zur Mologen-Kapitalerhöhung auf.

Auf Seite 170 dieses Dokuments steht nämlich ganz unschuldig: “During the last five years, no member of the Management Board or the Supervisory Board has acted in any capacity at any entity, which was subject to any bankruptcies, receiverships or liquidations.”

Ach so: nur ein Versehen?

Alles falsch! Der höchst umstrittene Mologen-Aufsichtsratsvorsitzende Oliver Krautscheid musste im Herbst 2014 die Insolvenz der französischen Firma SICARA anmelden. Darüber schrieb ich → hier.

Jetzt veröffentlicht das Mologen-Management einen Nachtrag und nennt diese merkwürdige Weglassung einen “Übertragungsfehler”. So steht es in einer E-Mail an den Aktienversenker.

Das ist eine interessante Begründung. Vor allem vor dem Hintergrund, dass beim Berliner Landgericht gerade ein Prozess zwischen Mologen-Aktionären und der Gesellschaft tobt, in dem eine ähnliche Thematik eine wichtige Rolle spielt: die Weglassung von Oliver Krautscheids Position bei der verlustreichen Fantastic Company AG (Muttergesellschaft der insolventen SICARA) in seiner Bewerbung zur Wahl des Mologen-Aufsichtsrats.

Mein Prozessreport → steht hier. Aktenzeichen des Verfahrens: 93 O 70/14

Noch eine Pleite.

Alles nur ein peinliches Versehen? Mag sein. Die SICARA-Pleite ist übrigens nicht die einzige Insolvenz, die dem ungeliebten Aufsichtsratsvorsitzenden Krautscheid den (inoffiziellen) Lebenslauf verschandelt: 2009 ging die Ley International Fashion Company AG des berühmten ESCADA-Gründers Wolfgang Ley pleite. Aufsichtsratsvorsitzender: Oliver Krautscheid.

Der lässt nun via Mologen-Presseabteilung an den Aktienversenker ausrichten:

“Bei der SICARA Fashion Accessories SAS übernahm Herr Krautscheid das Amt des Président kurz vor dem Insolvenzantrag, welcher bereits bei Amtsübernahme wahrscheinlich war. Ein ähnlicher Sachverhalt lag bei der Insolvenz der Ley International Fashion Company AG zugrunde. Nach Wechsel vom Unternehmensgründer und Hauptfinanzierer Wolfgang Ley vom Aufsichtsratsvorsitz in den Vorstand übernahm Herr Krautscheid nur drei Monate vor dem Insolvenzantrag das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden. Auch hier war eine Insolvenz in absehbarer Zeit bereits bei Übernahme des Aufsichtsratsvorsitz nicht auszuschließen.”

Kommunikation und Wahrheit.

Das ist freilich trickreich formuliert. Denn Krautscheid selbst hat als Fantastic-Chef das Unternehmen SICARA nach eingehender Prüfung als “Bilanzexperte” (Krautscheid über Krautscheid im Sitzungsprotokoll einer anderen Gesellschaft) 2012 gekauft und stets ein Auge auf das Investment gehabt.

Und auch bei Leys Fashiondesaster offenbart ein genauer Blick erstaunliche Tatsachen: sowohl ein Artikel in der Fachzeitschrift TEXTILWIRTSCHAFT als auch das “konstituierende Protokoll des Aufsichtsrats” belegen, dass Krautscheid von Beginn an in diesem Unternehmen Verantwortung trug.

Und wieder mal hat der Aktienversenker einen Nachweis erbracht, wie Krautscheid lügt und seine Untergebenen lügen lässt…

2 Kommentar(e)

  1. Manni_Jahrgang_98 schrieb:

    Ach Herr Johst,

    warum müssen Sie immer unsere Mologen so schlecht machen. Mir tut es wirklich leid für diesen kleinen wichtigen Nischenanbieter, welcher wichtige Forschung zur Krebsbehandlung und somit für die Menschheit leistet.

    Bitte bitte lassen Sie das,

    Manni98

    08.04.15 um 13:02 | Permalink
  2. Dr.Ogen schrieb:

    nee, da wird nicht Mologen schlecht gemacht, sondern der Vorstand der das Geld der Aktionäre verbrennt.

    und in Zeiten von copy/paste was von Übertragungsfehlern zu erzählen ist einfach Aktionärsverarsche.

    08.04.15 um 16:34 | Permalink

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