Grund #3 warum ich glaube, dass es mit der MOLOGEN AG zu Ende geht: die Kündigung des forschenden Vorstandsvorsitzenden Matthias Schroff wird einen Brain-Drain* auslösen, der MOLOGEN wissenschaftlich verblöden lässt.

Nächste Folge meiner Meinungs-Serie über den Niedergang der Krebsforschungsfirma MOLOGEN AG. *Aber erstmal die Erklärung des Begriffs Brain-Drain.

Hier geht es also um die völlig überraschende Kündigung des langjährigen Vorstandsvorsitzenden und Forschers Matthias Schroff und welche Auswirkungen das meiner Meinung nach auf die (noch) verbleibenden Wissenschaftler im Unternehmen hat.

Einvernehmliche Trennung? HAHAHA!

Es wird ja in den offiziellen Unternehmensmitteilungen rauf und runter beteuert, dass der Biochemiker Matthias Schroff, MOLOGEN-Forscher der ersten Stunde und seit vielen Jahren Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, einvernehmlich Ende 2015 geht. Ein ganzes Jahr bevor sein Vertrag ausläuft.

Einvernehmlich? Da lachen ja die Laborhasen…

Sorgen über das Ende der Forschung.

Über Einzelheiten kann man jetzt spekulieren oder auch nicht. Ich finde es jetzt aber viel interessanter, in die Zukunft zu blicken.

Ich wurde am Rande der HV von einem Aktionär angesprochen, der behauptete, mit forschenden Mitarbeiter bei MOLOGEN im engen Kontakt zu stehen. Ob das stimmt, kann ich nicht überprüfen. Dieser Herr erzählte mir, dass die Besorgnis beim wissenschaftlichen Personal groß sei und man befürchte, dass die Forschungsausgaben heruntergefahren werden.

Die Apotheke soll Geld verdienen!

Ich halte diese Sorge (falls sie existiert) für äußerst begründet. Zumal der amtierende und wiedergewählte Aufsichtsratsvorsitzende Krautscheid mehrfach auf der HV betonte, dass man eine Neuausrichtung der MOLOGEN AG anstrebe: vom Biotech- zu einem pharmazeutischen Unternehmen.

Ich übersetze das mal so: genug herumgeforscht, jetzt machen wir auf Apotheke und verkaufen endlich Zeug, damit Geld in die Kasse kommt.

Ja ist denn die Forscherei schon erledigt?

Nur so erklärt sich auch die Nachbesetzung von Schroffs Chefposition durch die Ärztin und Pharmamanagerin Mariola Söhngen, deren beruflicher Schwerpunkt nicht in der Forschung, sondern in der Vermarktung liegt.

Ich bezweifle, dass MOLOGEN schon so weit ist, dass man sich leisten kann, die Forschungstätigkeit zurückzufahren. Das Unternehmen eiert ja merklich herum, wenn man fragt, wann denn nun eine Arzneimittelzulassung zu erwarten sei.

Schroffs Dauerwerbesendung hat genervt.

Vielleicht ist es ja ein gutes Zeichen für Aktionäre, dass der Aufsichtsrat der Meinung ist, man könne nun damit beginnen, die Früchte der MOLOGEN-Forschung zu ernten. Allerdings braucht man dafür ein marktreifes Produkt. Oder irre ich?

Man kann von Schroff als Manager halten, was man will. Mich hat seine Dauerwerbesendung über die tollen “Forschungserfolge”, die für meinen Geschmack nie ausreichend belegt worden sind, auch genervt. Aber ich glaube, sein Abschied kommt viel zu früh.

Weitere Forscher werden gehen.

Denn sollte es tatsächlich begründete Hoffnungen geben, dass aus den MOLOGEN-Labors doch noch mal ein brauchbares Medikament herauskommt, braucht es jemanden, der bis dahin die Truppen im Haus zusammenhält und die Forschungen zu Ende führt.

Deshalb bin ich der Meinung, dass der plötzliche Abgang von Matthias Schroff viele weitere Kündigungen kluger Forscherköpfe zur Folge haben wird. Und MOLOGEN am Ende eine leere Apotheke ist, in der man gar nichts kaufen kann.

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1 Kommentar(e)

  1. Molestus schrieb:

    Warum ich glaube, dass es mit der Mologen AG aufwärts geht:
    • Das Drama um Aktionärsschützer ten Doornkaat zeigt, dass jetzt in der Hauptversammlung korrekt gezählt wird, auch wenn es einen Freund von Krautscheid/Wagner erwischt.
    • Mehrere Aktionäre (darunter auch die kundige Frau Steeg) überhäuften in der HV Vorstand und Aufsichtsrat mit vielen und detaillierten Fragen. Das stundenlange Frage- und Antwortspiel hat Vorstand und Aufsichtsrat (die dabei keine schlechte Figur machten) gezeigt, dass die Aktionäre ihnen genau auf die Finger schauen. Das wird ihr Verantwortungsbewusstsein steigern.
    • Nicht auszuschließen ist, dass gewisse Fragen und Kommentare zu Mologen darauf abzielen, den Aktienkurs runterzureden. Das kann verschiedene Motive habe: Konkurrenzintrigen, Kauf bei niedrigen Kursen, persönliche Animositäten. Solange die Fragen sachlich sind, die Kommentare gute Argumente enthalten, ist das eher nützlich als schädlich.
    • Die beiden Vorstandsmitglieder sind meinem Eindruck nach nolens volens gegangen. Beide hatten das Gefühl, dass sie nach den vielen Jahren bei Mologen einen Neubeginn machen sollten. Sie haben über ihre Optionen und auch aus emotionalen Gründen ein Interesse daran, dass es mit Mologen aufwärts geht.
    • Herr Krautscheid hat offenbar eingesehen, dass er nicht der Experte für Zulassungsverfahren ist (den Eindruck erweckte er bei der HV 2014). Deshalb wurde die erfahrene Dr. Mariola Söhngen in den Vorstand aufgenommen – bevor Dr. Schroff sich bereit erklärte, als Vorstandsvorsitzender auszuscheiden. Wenn Herr Krautscheid sich weiter zurücknimmt und Frau Söhngen machen lässt, wird das gut für Mologen sein.
    • Die erreichten Forschungsergebnisse, insbesondere bei MGN 1703, rechtfertigen eine Verlagerung des Schwerpunktes von der Forschung auf das Zulassungsverfahren. Die Forscher werden bei Mologen nicht weglaufen, wenn Gehalt und Betriebsklima stimmen. Außerdem wird Prof. Wittig Mologen weiterhin beraten.
    • Die institutionellen Investoren halten Mologen weiterhin die Stange.

    07.08.15 um 12:09 | Permalink

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