Oliver Krautscheids dunkles Loch im Lebenslauf – seine Rolle bei der insolventen Ley International Fashion Company AG

Das steht in keinem öffentlichen Lebenslauf, den die Aktienversenker von Oliver Krautscheid kennen: Die Insolvenz der Ley International Fashion Company AG des Escada-Gründers Wolfgang Ley, bei der Oliver Krautscheid 2008 bis 2009 Vorsitzender des Aufsichtsrats gewesen ist. Offenbar empfindet Krautscheid dieses Detail als lästigen Schandfleck, der die Selbstdarstellung stört.

Weder in Oliver Krautscheids Profil in den Karrierenetzwerken Xing und LinkedIn steht irgendetwas davon. Auch nicht auf seiner persönlichen Website und schon gar nicht auf den Firmenwebsites jener Unternehmen, in denen Krautscheid wichtige Positionen innehält.

Geht man etwas tiefer in die Google-Suche, entdeckt man jedoch Hinweise. Zum Beispiel diesen Artikel in der Fachzeitschrift “Textilwirtschaft”, der im Februar 2009 erschienen ist.

Da steht:

“Die Ley International Fashion Company AG, München, mit dem Label Collection Wolfgang Ley (CWL), hat beim Amtsgericht München die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Münchner Rechtsanwalt Christian Gerloff bestellt. „Trotz hohem finanziellen und persönlichem Einsatz und vielversprechender Akzeptanz führender Einzelhändler ist es uns nicht gelungen, die erforderlichen Umsätze zu realisieren“, erklärt Firmenchef Wolfgang Ley. Vor einem Jahr schien die Welt noch in Ordnung, aber inzwischen seien Kernmärkte wie Russland und Amerika praktisch zusammengebrochen, so dass eine realistische Prognose bei anhaltender Krise für eine junge Marke nahezu unmöglich sei. Ley (71) war vor einem Jahr beim hochwertigen Münchner DOB-Label Stiff eingestiegen und hatte mit dem Designer Thomas Rath CWL entwickelt. Im Vorstand zeichneten Wolfgang Ley und Claudia Krawehl verantwortlich. Aufsichtsratsvorsitzender ist der Münchner Unternehmer Oliver Krautscheid. Die Firma hatte Ley zunächst mit 1 Mill. Euro Kapital ausgestattet und dann im November weitere 0,8 Mill. Euro nachgelegt. Zu Jahresende gab Rath die Trennung von Ley „wegen gravierender Meinungsverschiedenheiten über die strategische Ausrichtung von CWL“ bekannt.

Tatsache ist, dass Oliver Krautscheid zur Gründung des Unternhmens Ley International Fashion Company AG im Frühling 2008 Aufsichtsratsmitglied war und dann – am 11. November 2008 – zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats ernannt wurde.

Das Unternehmen war mit 1.8 Mio. Euro Kapital ausgestattet worden. Kurze Zeit später – am 29. April 2009 – wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Denn das Geld war offenbar verbraucht.

Was ist passiert?

Über die näheren Umstände hüllen sich etliche Beteiligte in Schweigen. Insbesondere zur konkreten Rolle von Oliver Krautscheid wollen sich weder der ehemalige Vorstand Claudia Krawehl, noch Insolvenzverwalter Christian Gerloff und auch nicht Designer Thomas Rath äußern, der mit Heidi Klum in der TV-Show “Germany´s next Topmodel” sitzt und über das Geschäft mit der Mode einmal sagte: “Es geht ums Geldverdienen”.

Das ist bei der Ley International Fashion Company gründlich daneben gegangen.

Einer der Journalisten, die über die Insolvenz berichtet haben, meinte zu den Aktienversenkern: “Die Firma war wohl ziemlich chaotisch organisiert.”

Offiziell begründete man das Scheitern mit der Finanzkrise – ein Lied, das oft gehört wird. Fragt man allerdings in der Modebranche herum, erklingen andere Töne und es stellt sich die Frage: Stimmt es, dass Liefertermine nicht eingehalten wurden und die Buchhaltung völlig durcheinander war, sodass sich keiner mehr ausgekannt hat?

Kurz nach der Pleite der Ley International Fashion Company AG wechselte Oliver Krautscheid in den Verwaltungsrat der Fantastic Company AG, wo er neuerdings mit dem Einstieg in den Sonnenbrillenvertrieb SICARA Fashion Accessoires einen Neuversuch im Geschäft mit der Mode wagt. Und hoffentlich gelernt hat.

12 Kommentar(e)

  1. schwegat@hotmail.com schrieb:

    So langsam kriege ich richtig Respekt vor Krautscheid. Der Mann scheint ja x-fach geschäftliche Bauchlandungen als Organmitglied hingelegt zu haben und ist immer wieder auf die Beine gekommen. Stehaufmännchen sind mir sympathisch.

    Vielleicht sollte Krautscheit eine Fernsehsendung als Karriereberater bekommen und Arbeitslosen mit schlechtem Track Record helfen, hoch dotierte Jobs zu kriegen.

    In der Beziehung hat er ja wohl richtig performt – der Erfolg bei den eingefädelten Deals scheint ja noch auf sich warten zu lassen. Aber er hat ja Stehvermögen – und vielleicht zahlt sich die Beharrlichkeit bei den Investments am Ende aus.

    29.05.12 um 21:22 | Permalink
  2. Josef schrieb:

    Mal schauen was heute auf der GV vorgestellt wird. Vielleicht könnten die Aktienversenker von der HV berichten.

    31.05.12 um 13:27 | Permalink
  3. Josef schrieb:

    Neuer Name, neue Website, neues Konzept.

    Was sagen die Aktienversenker dazu?

    19.06.12 um 09:22 | Permalink
  4. Leichtmatrose schrieb:

    @Josef: da kommt bald was für Dich…

    19.06.12 um 11:31 | Permalink
  5. Slackerfelck schrieb:

    Also grds. muss man ja mal eins sagen: dass Investoren den Einstieg ins Modegeschäft wagen – und sei es nur wegen der Damen – das ist menschlich nachvollziehbar und überhaupt nicht anstößig. (Solange die sich nicht als Möchtegern-Models selber buchen sollten, was aber bei der CEP ausgeschlossen sein dürfte. Nicht wegen Aussehen, sondern wegen Integrität.)

    Was ist jetzt mit dem Sicara Deal?
    Erst ist CEP gross ins französische Mode-Retail Business eingestiegen – und jetzt hört man nichts mehr von Sicara.

    Viel krasser noch – lt. CEP Website:

    “Die Corporate Equity Partners AG ist Europas erster börsennotierter Private Equity-Spezialist für Direktbeteiligungen an Private Equity Management Gesellschaften und notiert an der Deutschen Börse im Prime Standard.”

    Sicara ist m.E. keine irgendwo weltweit registrierte Private Equity Management Gesellschaft, oder?

    Oder fährt Krautie einfach nur zweigleisig – mal Mode, mal Finance?

    Bin wegen Sicara und der neuen Ankündigung etwas irritiert, aber ich schaue grade eher auf meine Freundin bzw. die Fußballberichterstattung.

    Falls mir irgendwas entgangen sein sollte, bitte ich um Aufklärung. Habe gerade besseres zu tun, als mir alle Ad-Hocs der CEP durchzulesen.

    Danke, Männer!

    19.06.12 um 19:14 | Permalink
  6. Ray Ban schrieb:

    “Die Corporate Equity Partners AG ist Europas erster börsennotierter Private Equity-Spezialist für Direktbeteiligungen an Private Equity Management Gesellschaften und notiert an der Deutschen Börse im Prime Standard.”

    1. Wie passt das mit Sicara zusammen?
    2. So viel cash hat CEP doch gar nicht, um grosse Würfe in der PE Landschaft zu machen. Außerdem frage ich mich, warum CEP als PE Firma die Deals nicht selber macht, sondern sich an anderen Dealmakern beteiligt?

    Positiv, dass dann externes PE Know How in die Investments und deren Begleitung kommt – vor allem spart das ja auch Verwaltungsaufwand. Vielleicht steigert das dann auch den Track-Record von Krautscheid. Zu wünschen wäre es uns allen Aktionären, dass mal ein paar geile Deals gemacht werden.

    21.06.12 um 22:33 | Permalink
  7. Sicaria schrieb:

    Vielleicht kann CEP sich ja auch an einer PE Bude beteiligen und der dann die Sicara Beteiligung als mögliches(Co-)Investment reindrücken.
    Dann hätte man noch mehr Geld in der Kasse, um die Branche, die eh konsolidieren muss, aufzuwirbeln und vielleicht auch mit Fusionen etc. Mehrwert für uns Aktionäre zu schaffen.

    24.06.12 um 14:19 | Permalink
  8. Josef schrieb:

    Die Tricks der CEP-Macher gehen weiter. Laut ad-hoc Meldung hätten die neuen Aktien direkt nach der HV zum Handel zugelassen werden müssen. Bis heute weiss die Deutsche Börse jedoch NICHTS davon. Weiter so…

    27.06.12 um 10:21 | Permalink
  9. Kielholen schrieb:

    Das hier sagt alles: http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1175320-1-10/warnung-the-fantastic-company-ag

    04.07.12 um 08:57 | Permalink
  10. abdecker schrieb:

    Glaube es hackt!

    Erst wurde vor kurzem der Erwerb der Sicara angekündigt.

    Dann will sich die Gesellschaft auf den Erwerb von Beteiligungen an börsennotierten PE Gesellschaften spezialisieren.

    Und jetzt gibt es eine Namensänderung und Rolle rückwärts mit Fokussierung auf den Bereich Sport und Mode. Auf der CEP Homepage steht nichtmal eine Ad-Hoc zu der Namensänderung.

    Was ist aus den PE Beteiligungsplänen geworden?

    Sind die dt. gelisteten PE Unternehmen zu schlecht, oder reicht die Kohle nur für Sicara?

    06.07.12 um 11:59 | Permalink
  11. troll schrieb:

    findet ihr das alle lustig?

    12.07.12 um 00:06 | Permalink
  12. oldguy schrieb:

    Oliver Krautscheid ist ein kluger Mann, er hat sogar dafür gesorgt dass Wolfgang Ley als Gesellschafter fast 100.000 € in die marode Sicara investiert hat !!

    Sogar bei einer Insolvenz werden manche nie was lernen …

    28.09.12 um 21:51 | Permalink

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